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VERLAG HERMANN RECKENDORF: GESCHICHTE

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Hermann Reckendorf
Hermann Reckendorf wurde
am 4. März 1880 in Mannheim geboren. Als Religionszugehörigkeit seiner Eltern Salomon und Clärchen Reckendorf verzeichnen die dortigen Meldeunterlagen „israelitisch“. 1888 zog die Familie nach Freiburg, wo Salomon Reckendorf eine Profes­sur für semitische Philologie an der Albert-Ludwigs-Universität erhalten hatte. Über die Ausbildung von Hermann Reckendorf ist lediglich bekannt, daß er den Beruf des Buchdruckers erlernte. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg wandte er sich dann je­doch dem „Reklamefach“ zu, das damals zunehmende wirtschaftliche Bedeutung erlangte. Reckendorfs Spezialgebiet wurde die Anzeigenwerbung. Von 1908 bis 1910 ist er als „Re­klame­schrift­steller und Vertreter auswärtiger Zeitungen“ in Ber­lin-Friede­nau nachweisbar. In diese Zeit fie­len wohl auch seine Tätigkeiten in den An­zei­gen­abtei­lungen des Ullstein Verlages und der in Berlin er­­scheinenden Natio­nal-Zeitung. 1911 zog Recken­­dorf nach Lud­wigsburg, um dort Reklameleiter des Ersatzkaffee-Konzerns Franck (›Caro‹-Kaffee) zu werden. Dieses Unternehmen zeich­nete sich da­mals bereits durch mo­der­ne Metho­den der Mar­ken­artikel­werbung aus. 1913 ging Reckendorf zurück nach Berlin, wo er sich als Werbekaufmann selbständig machte.

Kriegsanleihe-Propaganda
Während
des Weltkrieges war Reckendorf bemüht, seine Fachkenntnisse in den Dienst des Deutschen Reiches zu stellen. So hielt er im Oktober 1915 einen Vortrag über die wirtschaftliche und zugleich propagandistische Bedeutung der internationalen Anzeigenschaltung deutscher Großunternehmen. Als ausgewiesener Reklameexperte  wur­de er 1916 von der Reichsbank zur Leitung der – bis­lang eher konventionell betriebenen – Kriegs­anleihe-Propaganda berufen. Reckendorf übernahm die Organisation der 6. Kriegsanleihe, über die er 1917 in der Zeitschrift Das Plakat ausführlich berichtete. Weitere Kriegsanleihe-Kam­pag­nen unter seiner Regie folgten. Die erfolg­reiche Übertragung kommerzieller Reklameprinzipien auf die staatliche Werbung brachte Reckendorf die Danksagung des Reichsbank-Direk­toriums und weitere Ehrungen ein. Die neue Regierung der Weimarer Republik zog ihn ebenfalls zur Mitarbeit heran. So konzipierte Reckendorf die Werbung für die Spar-Prämien-Anleihe des Reiches, leitete die Propaganda für das Frauenwahlrecht und errichtete die Reichszentrale für Heimatdienst.

Werbedienst
Bereits vor dem Kriegsende hatte Reckendorf aber auch die Grundlage für seine weitere Tätigkeit in der Zivilwirtschaft geschaffen. Am 19. September 1918 gründete er die Reklame- und Anzeigenagentur ›Werbedienst GmbH‹, aus der später der Verlag Hermann Reckendorf hervorgehen sollte. Als Firmensitz in Berlin wurden Räume an der Lützowstraße 102–104 bezogen. Anfangs bestanden zu­dem eine Dependance in München und Zweigbüros in anderen deutschen Städten. Reckendorfs Werbedienst befaßte sich „mit allem, was im weitesten Sinne zur Werbetätigkeit gehört, unter Mitarbeit erfahrener Fachleute, führender Künstler, bekannter Schriftsteller und der leistungsfähigsten Kunstanstalten und Druckereien. (...) Er liefert Werbemittel jeglicher Art: Drucksachen, Plakate, Kataloge, Prospekte, Anzeigen und Packungen. Er vermittelt den Anschlag künstlerischer Plakate in allen Städten Deutschlands und die Aufnahme stilgerechter und wirksamer Anzeigen in allen Zeitungen und Zeitschriften.“ Außerdem verfügte das Unternehmen wenig später noch über eigene Abteilungen zur Produktion und Distribution von Werbezeichentrickfilmen sowie für die Gestaltung und den Bau von Messeständen. In Abgrenzung zu anderen, rein kommerziellen Agenturen ging es Reckendorf bei seinen Aktivitäten um die Verbindung von wirtschaftlicher Professionalität mit künstlerischem Qualitätsanspruch – ein Prinzip, das später auch seine Verlagstätigkeit prägen sollte. Explizit bezog er sich dabei auf die Ziele des Deutschen Werkbundes. Als geschätzter Fachmann wurde Recken­dorf Mitglied der im Juli 1919 konstituierten ›Deutschen Werbewissenschaftlichen Gesellschaft‹ und Vorsitzender des im September 1919 gegründeten ›Ausschusses für das deutsche Werbewesen‹. Er gehört damit zu den Pionieren der Werbung in Deutschland.

Das Plakat
Durch seine Tätigkeit für die Kriegsanleihenpropaganda war Reckendorf mit allen wichtigen deutschen Plakatkünstlern in Kontakt gekommen. Eine besondere Verbindung entwickelte sich zu Lucian Bernhard (1883–1972), den Reckendorf 1919 zum künstlerischen Leiter seiner Firma machte. Bernhard gestaltete daraufhin die Büroräume, entwarf das Firmenzeichen und zahlreiche Eigenanzeigen des Werbedienstes sowie Signets und Plakate für dessen Kunden. Reckendorf arbeitete aber auch mit anderen Gebrauchsgraphikern zusammen und ließ sie Anzeigen für seine Firma zeichnen, die regelmäßig auf den Umschlagseiten der Zeitschrift Das Plakat erschienen. Sein Unternehmen war damals führend auf dem Gebiet des Künstlerplakats, führte dabei aber auch Aufträge für die politische Rechte aus, etwa in Form anti-bolschewisti­scher Plakate von Bernhard und Koch-Gotha.
Der Verein der Plakatfreunde berief Reckendorf 1918 in das Preisgericht für seinen eigenen Kriegsanleiheplakat-Wett­be­werb und veröffentlich­­te Anfang 1919 in seiner Zeitschrift Das Plakat dessen Bericht über die Werbearbeit zur 9. Kriegsanleihe. Reckendorf war seinerseits „lebenslängliches“ Mitglied dieses Vereins und verfügte über die größte Privatsammlung von Kriegs(anleihe-)Pla­katen in Deutschland (Verbleib unbekannt). Bereits 1919 umfaßte sie 728 Kriegs- und 249 Anleiheplakate, hinzu kamen Bücher, Zeitschriften und Aufsätze über das Zeitungs- und Werbewesen. Nach Reckendorfs Willen sollte das Material später als Schenkung gemeinnützigen Zwecken zugeführt werden. Ob dies erfolgt und wo die Sammlung verblieben ist, bedarf noch immer der Auf­klärung. Im Januar 1919 übernahm Reckendorf (bis Ende 1920) zudem in der Zeitschrift Das Plakat die Schriftleitung der von ihm begründeten Rubrik „Die Kultur der Reklame“, in der vor allem Beiträge zu den wirt­schaftlichen und rechtlichen Fragen des Werbewesens erschienen.
Mit Das Plakat war Reckendorf jedoch nicht nur als Vereinsmitglied, Sammler und Schriftleiter verbunden, sondern auch durch seine Firma Werbedienst, bei der seit 1919 die alleinige Anzeigenannahme für die Zeitschrift lag. Diese Kooperation führte nicht nur zur Erhöhung des Anzeigenaufkommens, sondern auch zu einer einheitlicheren und künstlerischen Gestaltung der Anzeigenseiten, wie der Verein der Plakatfreunde in seinem Jahresbericht für 1919 erfreut feststellte. Reckendorfs Interessenverknüpfung rief aber auch Kritik innerhalb dieser Vereinigung hervor. Obgleich sich diese eher gegen Mitarbeiter seiner Firma richtete, trat er deshalb – zum Bedauern des Vereinsvorstandes um den Plakatsammler Hans Sachs – zum Jahreswechsel 1920/21 von der ehrenamtlichen Schriftleitung der Rubrik „Kultur der Reklame“ zurück (sein Nachfolger wurde Hermann Behrmann). Als die Konflikte im Verein der Plakatfreunde anhielten, sah sich der Vorstand zu einer weiteren Ehrenerklärung für Reckendorf ver­anlasst, in der erneut dessen ideelle und materielle Verdienste um Zeitschrift und Verein hervorgehoben wurden. Wenige Monate nach Reckendorfs Ausscheiden kam es zur Einstellung von Das Plakat und zur Auflösung des Vereins der Plakatfreunde.

Messereklame
Inzwischen hatte Reckendorf ein weiteres Betätigungsfeld für seine Firma Werbedienst erschlossen: die damals aufkommende Messereklame und deren wirtschaftliche Auswertung. So beteiligte er sich von 1920 bis 1922 an der Vermarktung der Leipziger Messe, veröffentlichte deren Publikationen und ließ sich exklusiv das Anzeigengeschäft und die Außenreklame übertragen. 1921 war seine Firma auf der Leipziger Messe zudem mit einem von Lu­cian Bernhard gestalteten Stand vertreten. Im gleichen Jahr begann Reckendorfs Werbedienst mit der Herausgabe einer eigenen Schriftenreihe unter dem Titel „Werbedienst. Eine Sammlung von Abhandlungen und Arbeitsproben aus allen Gebieten des Werbewesens“. Es handelte sich dabei um biblio­phil aufgemachte Separatdrucke von Beiträgen aus dem Jahrgang 1921 der Zeitschrift Das Plakat. Im ersten Band, den ein Umschlag von Hugo Steiner-Prag zierte, behandelte Hermann Behrmann „Die Reklame auf der Messe“. Der zweite Band war ein Wie­der­abdruck der von Fritz Helmuth Ehmcke unter dem Titel „Wahrzeichen – Warenzeichen“ besorgten und kommentierten Zusammenstellung von Firmen­signets.

Reichskunstwart
Verbindende Interessen im Sinne der Werkbund-Ziele führten Reckendorf auch zu einer Zusammenarbeit mit dem Reichskunstwart Edwin Redslob (1884–1973). So brachte er – nun erstmals unter der Firmierung „Verlag Her­mann Reckendorf, Berlin/München“ – dessen auf der Leipziger Herbstmesse 1920 gehaltenen Vortrag über „Die Werbekraft der Qualität“ als Broschüre heraus. Außerdem verlegte Reckendorf die Schriftenreihe Mitteilungen des Reichskunstwarts, für die zunächst sechs Ausgaben geplant waren. Tatsächlich erschienen 1920 jedoch nur die Hefte über „Das Ergebnis des Briefmarken-Wett­bewerbes“ und die „Künstlerische Gestaltung des Reichsadlers“.

Kornscheuer
Mit diesen Publikationen hatte sich das Geschäftsfeld von Reckendorfs Werbedienst zur Verlagstätigkeit hin erweitert, die künftig eigenstän­dig fortgeführt werden sollte. Deshalb erfolgte im Dezember 1920 die Eintragung des Verlags Hermann Reckendorf ins Berliner Handelsregister. Im gleichen Monat startete der Verleger eine der zahlreichen, ebenso idealistischen wie kurzlebigen Kunst- und Kulturzeitschriften der unmittelbaren Nach­kriegsjahre: Die Kornscheuer. Monatsschrift für die Gesamt-Interessen der Kunst. Als Schriftleiter zeich­nete Constantin J. David (1886–1964) verantwortlich. Inhaltlich erstrebte die Zeitschrift die Völkerverständigung durch Kulturaustausch, wirt­schaft­­liche Sicherstellung der Künstler, Sozialisierung der Kunst und Propagierung künstlerischer Qualität in der Warenwelt.
Geplant waren jährlich zwölf Hefte von 32 Seiten. Tatsächlich sind jedoch nur fünf Ausgaben zu Stande gekommen. Im Dezember 1920 erschien – anläßlich einer entsprechenden Ausstellung in Berlin – zunächst ein Sonderheft zur jungen niederländischen Kunst. Als zweiter Jahrgang folgten 1921 die jeweils kulturpolitisch engagierten Hefte 1, 2 und 3/4. Das fünfte Heft kam dann nicht mehr bei Reckendorf heraus, sondern im Eigenverlag der Zeitschrift. Den Hintergrund für die Trennung bildete wohl die redaktionelle Kritik gegenüber dem Deutschen Werkbund, die in dieser Nummer zum Ausdruck kam. Mit der Lösung von Reckendorf ver­lor das Blatt jedoch seine wirtschaftliche Basis und mußte sein Erscheinen einstellen.

Deutscher Werkbund
Die nachhaltigste Verbindung entwickelte sich für Reckendorf zum Deutschen Werkbund (DWB), dessen Mitglied er in seiner Funktion als Geschäftsführer des Werbedienstes seit 1919 war. Der Einstieg erfolgte über die DWB-Mitteilungen, für die seiner Firma 1919 die alleinige Anzeigenannahme übertragen wurde. Außerdem brachte der Deutsche Werkbund 1920 im Verlag Hermann Reckendorf den als Jahrbuch-Ersatz konzipierten Band Handwerkliche Kunst in alter und neuer Zeit heraus. Das Buch zeichnete sich nicht zuletzt durch einen im Auftrag des Werbedienstes von dem Berliner Schriftkünstler Hanns Thaddäus Hoyer einheitlich gestalteten Anzeigenteil aus.
Nach einer Unterbrechung wurden die DWB-Mitteilungen, die bis dahin im Selbstverlag des Deutschen Werkbundes erschienen waren, ab April 1920 ebenfalls von Reckendorf verlegt – unter dem neuen Titel Das Werk. Mitteilungen des Deutschen Werkbundes. Die Zeitschrift, die ursprünglich monatlich erscheinen sollte, kam stattdessen mit nummerierten Einzelheften heraus. Die Druckausstattung besorgte unter der Leitung von Lucian Bernhard die Künstlerwerkstatt des Werbedienstes, der in jedem Heft auch mit einer Anzeige vertreten war. Mit Nr. 11/12 (Februar/März 1921) mußte das Erscheinen jedoch aus finanziellen Gründen eingestellt werden.

Deutsche Gewerbeschau, München 1922
Reckendorfs Zusammenarbeit mit dem Deutschen Werkbund setzte sich 1922 mit der Deutschen Gewerbeschau in München fort, für die seiner Firma „das alleinige Recht zur Auswertung sämtlicher Reklameangelegenheiten“ übertragen wurde. Der Werbedienst gab den Katalog und Führer sowie das Tagesprogramm zu der Veranstaltung heraus, bei der auch die Reklame selbst ein Ausstellungsthema bildete. Programm­bestandteil war zudem eine Sonderschau der Deutschen Verleger Das schöne Buch, an deren Katalog sich der Verlag Hermann Reckendorf mit einer Anzeige beteiligte. Vor allem aber erschien bei Recken­dorf während der Laufzeit der Messe nun die Zeitschrift Die Form. Sie fungierte sowohl als amtliches Organ der Deutschen Gewerbeschau München 1922, führte in Form von Beiblättern aber auch die zuvor unterbrochenen Mitteilungen des Deutschen Werkbundes und Mitteilungen des Reichskunstwarts fort. Schriftleiter der jeweils unter einem besonderen Thema stehenden Hefte war Walter Riezler (1878–1965) vom Städtischen Museum Stettin. Die alleinige Anzeigenannahme lag wieder bei Reckendorfs Firma Werbedienst. Das sechste Heft, das dem Thema „Verkehr“ gelten sollte, ist allerdings nicht mehr erschienen. Im Inflationsjahr 1923 ruhten Reckendorfs verlegerische Aktivitäten.

Die Form
Ab April 1924 erschi
enen die Mitteilungen des Deutschen Werkbundes (Nr. 1–12) ersatzweise als Sonderdruck der monatlichen „Werkbund-Ge­dan­ken“ des Stuttgarter Neuen Tageblatts. Die Verwaltung und typographische Gestaltung des Anzeigenteils besorgte erneut Reckendorfs Werbedienst. Ab 1925 wurden die Mitteilungen dann in das als neue Folge wiederaufgenommene Werkbund-Organ Die Form. Zeitschrift für gestaltende Arbeit integriert. Es erschien zunächst im Verlag Kurt Schröder, Bonn und Berlin, ab 1926 dann im Verlag Hermann Reckendorf, Berlin, mit dem der Deutsche Werkbund nun einen längerfristigen Kooperationsvertrag abgeschlossen hatte. Herausgeber war Walter Riez­ler, als Schriftleiter wurde Wilhelm Lotz verpflichtet. Die Zeitschrift entwickelte sich zum wichtigsten Berichts- und Diskussionsforum in Deutschland für alle Gebiete und Themen der modernen Formgebung vom Kunstgewerbe über die Architektur bis zur Fotografie. Sie erschien monatlich, in ihrer Blütezeit 1929 und 1930 sogar halbmonatlich, wobei die Auflage 1930 bei 5.000 Exemplaren lag. Der wachsenden Nachfrage und Ausstrah­lung des Blattes trug ab 1929 auch die markante Umschlag­ge­staltung von Walter Dexel Rechnung. Die enge Verbindung zum Verlag Hermann Recken­dorf kam nicht zuletzt durch zahlreiche Eigenanzeigen für dessen (Werkbund-)Pub­li­kationen auf den Umschlagseiten der Hefte zum Ausdruck.

Bücher der Form
Als Ersatz für seine eingestellten Jahrbücher und in Anknüpfung an die während der Deutschen Gewerbeschau 1922 veröffentlichen thematischen Hefte von Die Form begründete der Deutsche Werkbund im Sommer 1924 die Schriftenreihe Bücher der Form, die ebenfalls von Walter Riezler herausgegeben wurde. Die beiden ersten Bände Die Form ohne Ornament (Bd. 1, 1924) und Deutsche Wiederaufbauarbeit (Bd. 2, 1925) erschienen bei der Deutschen Verlags-Anstalt, Stuttgart. Nachdem der Verlag Hermann Reckendorf das Werkbund-Organ Die Form übernommen hatte, führte er ab 1926 auch die Reihe Bücher der Form fort. Zunächst erschien der Band Gold und Silber (Bd. 3, 1926) von Wolfgang Lotz, der die neuzeitliche Goldschmiedekunst behandelte und zugleich als Festschrift zum Jubiläum des Reichsverbandes Deutscher Juweliere diente. Mit Das Deutsche Kunstgewerbe 1925 (Bd. 4, 1925) folgte die von Walter Riezler herausgegebene Dokumentation des deutschen Beitrags zur Kunstgewerbeausstellung in Monza. Im nächsten Band ging Ernst Kropp der Wandlung der Form im XX. Jahrhundert (Bd. 5, 1926) nach. Das von Wilhelm Lotz im Herbst 1928 herausgegebene Buch Licht und Beleuchtung. Lichttechnische Fragen unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der Architektur (Bd. 6, 1928) erschien im Zusammenhang mit der Veranstaltung Berlin im Licht, einer großstädtischen Demonstration der Lichtreklame. Die Bände 3 bis 5 waren als schlichte Pappbände, die Bände 6 und 7 als Leinenbände mit Schutzumschlägen ausgestattet. Die Auflagenhöhe dürfte jeweils drei- bis maximal fünftausend Exemplare betragen haben. Bei Bezug durch die Geschäftsstelle erhielten Mitglieder des Deutschen Werkbundes auf die Bücher der Form wie auch auf die anderen Reckendorf-Publikationen einen Rabatt.
Darüber hinaus kündigte der Verlag Hermann Reckendorf 1928 mit Die bibliophilen Bücher der Form eine weitere Reihe an, in der als erster Band Blumen in der Vase von Hanna Kronberger-Frentzen erscheinen sollte. Offenkundig wurde dieser Plan jedoch aufgegeben, denn das Blumenbuch von Kronberger-Frentzen kam stattdessen als – letzter – Band der Bücher der Form (1928, Bd. 7) heraus. Anknüpfend an diese Reihe – jedoch eigenständig als Werk­bund-Buch tituliert – folgte später noch der von Gustav F. Hartlaub herausgegebene und eingeleitete Band Das Ewige Handwerk im Kunstgewerbe der Gegenwart. Beispiele kunsthandwerklichen Gestaltens (1931), der auf einer von der Mannheimer Kunsthalle organisierten Wanderausstellung basierte.

Werkbund-Kleinschriften
Für den Deutschen Werkbund veröffentlichte der Verlag Hermann Reckendorf darüber hinaus verschiedene Kleinschriften, darunter die Denkschrift Wege und Irrwege unserer Kunsterziehung (1926) von Richard Riemerschmid und die Druckfassung der Reden der Münchener Tagung 1928 am 6. Juli 1928. Die Broschüre DWB Werkbundarbeit. Rückblick auf die Entwicklung des Deutschen Werkbundes (1928) von Wilhelm Lotz erschien zur Internationalen Presse-Ausstellung Pressa in Köln.

Pressa, Köln 1928
Bei der Pressa manifestierte sich das Zusammenwirken zwischen dem Verlag Hermann Reckendorf und dem Deutschen Werkbund besonders augenfällig durch die gemeinsame Nutzung eines eigens dafür von dem Architekten Richard Riemerschmid entworfenen Ausstellungspavillons. Im Innern wurden nicht nur die Veröffentlichungen des Deutschen Werkbundes und des Verlages vorgestellt, sondern in Vitrinen auch Gegenstände des (Kunst)Handwerks, Erzeugnisse der Industrie sowie Architekturmodelle gezeigt. Im Katalog der Veranstaltung war der Verlag Hermann Reckendorf mit einer Selbstdarstellung sowie Anzeigen vertreten.

Die Wachsende Wohnung, Köln 1929
Im Mai 1929 erschien im Verlag Hermann Reckendorf der Amtliche Katalog der Kölner Werkbund-AusstellungDie Wachsende Wohnung, der hinsichtlich seiner (typografischen) Aufmachung und der enthaltenen Anschaffungspreise  ein Novum darstellte. Bei der bis September 1929 laufenden Ausstellung war der Verlag mit einem eigenen Informationsstand vertreten, an dem auch seine Publikationen auslagen.

Deutscher Werkbund, Paris 1930
Ein Jahr später folgte der dreisprachige Amtliche Katalog der Deutschen Abteilung auf der Ausstellung der Société des Artistes Décorateurs, mit der sich der Deutsche Werkbund von Mitte Mai bis Mitte Juli 1930 in Paris präsentierte. Bei diesem Druckwerk, das Herbert Bayer ebenso innovativ wie attraktiv gestaltet hat, handelt es sich um eines der herausragenden Dokumente moderner Ge­brauchsgrafik der Zwischenkriegszeit.

Werbedienst-Druckerei
Bereits 1925 hatte Reckendorf offenbar seine Anzeigenagentur Werbedienst in eine Druckerei gleichen Namens umgewandelt, die in Berlin-Spandau, Eiswerder 130, ansässig und ebenfalls Mitglied des Deutschen Werkbundes war. Hier wurden fortan die meisten Zeitschriften und vor allem Bücher des Verlags Hermann Reckendorf – und damit jene des Deutschen Werkbundes – hergestellt. Zur Kapazitätsauslastung erledigte die Firma aber auch Druckaufträge aus dem Bereich der Industriewerbung. Beispiele dafür sind die vom Verband Deutscher Waren- und Kaufhäuser e. V. herausgegebene Jubiläumsschrift Das Problem des Warenhauses. Beiträge zur Geschichte und Erkenntnis der Entwicklung des Warenhauses in Deutschland (1928) und die Firmenschrift der Ilse Bergbau-Actienge­sellschaft Ziegelei-Ab­tei­lung Grube Ilse (1929).

Jugend-Insel
Eine Nebenaktivität des Verlegers war die vom Jugendbücher-Verlag übernommene Jugend-Insel. Zeitschrift für Jungen und Mädel, die vom Januar bis zu ihrer Einstellung im September 1927 im Verlag Hermann Reckendorf erschien.

Rundfunkzeitschriften
Als zweites Geschäftsfeld neben den Werkbund-Publikationen – und zwar als die eigentliche Ertragsquelle, mit der die Kunstpublikationen subventioniert wurden – entwickelten sich die Rundfunk­zeit­schriften des Verlags Hermann Reckendorf. Dieses Pressesegment erlebte in den zwanziger Jahren einen beträchtlichen Aufschwung. Reckendorf hatte die technischen Möglichkeiten und die massenkulturelle Bedeutung und Verantwortung des Mediums Rundfunk früh erkannt. Deshalb startete er Anfang 1924 die neuartige Zeitschrift Die Sendung (Broadcasting). Monatsschrift für Kunst, Kultur, Wirtschaft und Technik im Rundfunk. Als Herausgeber firmierte neben anderen Georg Graf Arco, ein Pionier der Rundfunktechnik und zugleich Technischer Direktor bei Telefunken. Im Zusammenhang mit dieser neuen Zeitschrift ließ Reckendorf den von Lucian Bernhard eingerichteten Ausstellungsraum seines Verlages mit einer „Empfangsstation für Radio“ ausstatten. Dort waren auch die Mitglieder des Deutschen Werkbundes willkommen, um sich über „diese neue technische Errungenschaft“ informieren zu lassen und sich Radiokonzerte anzuhören. Aufgrund ihres anspruchs­vollen Inhalts, hohen Preises und der ungünstigen Wirtschaftslage mußte Die Sendung ihr Erscheinen aber schon nach kurzer Zeit wieder einstellen. Bereits im April 1924 erfolgte dann eine veränderte Wiederaufnahme unter gleichem Titel, nun jedoch als günstige Abonnements-Wochen­schrift mit Programmteil. Darüber hinaus wurde 1925 als Neben­aus­gabe für den Straßenhandel und Kioskverkauf die schmalere und billigere Zeit­schrift Der Empfang herausgebracht, die keine Redaktion, son­dern nur die deutschen Rundfunkprogramme enthielt. Sie mußte im Herbst 1925 nach 35 Nummern allerdings wieder vom Markt genommen werden.
Das Hauptblatt Die Sendung hingegen hatte nicht nur Bestand, sondern vergrößerte bald Format, Umfang und Verbreitung. Ab 1926 wurden Umschlag und Innenteil zudem durch Abbildungen und Illustrationen aufgewertet. Von anfangs 90.000 Exemplaren entwickelte sich Die Sendung zu einer der erfolgreichsten Rundfunkzeitschriften Deutschlands – in der Spitze (1930) soll ihre wöchentliche Auflage 400.000 Exemplare betragen haben. Im Unterschied zu anderen Radio-Blättern hatte Die Sendung ihren Rückhalt nicht bei einem herausgebenden Sender, sondern bei der großen Zahl der Radiobastler und -hörer. Reckendorf initiierte zu diesem Zweck 1927 den Bastlerbund Sendung e.V., der reichsweit bald 100 Ortsgruppen umfaßte. Dementsprechend nahmen in den Heften technische Fragen einen breiten Raum ein. Hinzu kamen aber auch kulturelle Beiträge, die sich häufig auf Radiosendungen der jeweiligen Woche bezogen, ergänzt um einen breiten Programmteil. Ende 1928 erweiterte Reckendorf sein Angebot noch um die wöchentlich erscheinende Programmzeitschrift Deutsche Welle der gleich­­namigen Sendegesellschaft, die eine Auflage von 15.000 Exemplaren erreichte.

Rundfunkschriften
Darüber
hinaus brachte der Verlag im Frühjahr 1929 kleinere rundfunktechnische Schriften heraus, die sich als praktische Ratgeber an Radioempfänger und -bast­ler wendeten. Mit seinen Rundfunk-Zeitschriften und -Publikationen war der Verlag Hermann Reckendorf von 1927 bis 1932 auch prominent auf der Großen Deutschen Funkausstellung in Berlin vertreten.

Fernsehen
Schließlich folgte ab Anfang 1930 als Offizielles Organ des Allge­meinen Deutschen Fernsehvereins noch die erste Fernseh-Zeitschrift Deutschlands unter dem Titel Fernsehen. Zeitschrift für Technik und Kultur des gesamten elektrischen Fernsehwesens. Ihr Gegen­stand waren vor allem Entwicklungen der Gerätetechnik und Medienpolitik, denn außer experimenteller Bildübertragungen gab es damals noch kein Sendeprogramm. 1931 wurde die ursprünglich monatliche Erscheinungsweise auf vierteljährlich umgestellt, 1932 zudem der Titel zu Fernsehen und Tonfilm erweitert. Auf den Umschlägen der Hefte fand sich häufig Werbung für die übrigen Verlagsprodukte.

Das Kunstblatt
Neben dem Deutschen Werkbund und dem Rundfunk enga­gier­te sich der Verleger Hermann Reckendorf auch auf dem Gebiet der jungen Kunst. Als die seit 1917 von Paul Westheim (1886–1963) herausgegebe­ne und re­digierte Zeitschrift Das Kunst­blatt in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet, entschloss sich Reckendorf zur Übernahme und ließ sie ab Dezem­ber 1928 in seinem Verlag monatlich erscheinen – zur Attraktivitätssteigerung sogar in ver­besserter Aufmachung und mit reduziertem Preis. Allerdings wurde das Blatt wirtschaftlich nie selbsttragend und dürfte eine Auflage von 3.000 Exemplaren selbst in guten Zeiten kaum überschritten haben. Synergien mit der Zeitschrift Die Form ergaben sich durch wechselseitige redaktionelle und werbliche Hinweise sowie durch Anzeigen und Besprechungen zu den Büchern des Verlags Hermann Reckendorf. Paul Westheim war darüber hinaus auch mit Beiträgen in der Rundfunk­zeitschrift Die Sendung vertreten. Ende 1930 veröffentlichte der Verlag zudem seine Künstlerporträts unter dem Titel Helden und Abenteurer. Welt und Leben der Künstler (1931). Teils waren diese Essays zuvor schon in Das Kunstblatt erschienen, teils handelte es sich um die Druckfassung von Rundfunkvorträgen.

Reckendorfhaus
ImFrühsommer 1929 zog der Verlag Hermann Reckendorf vom der Lützowstraße 102–104 in ein großzügiges, 1914 errichtetes Bürogebäude im Berliner Zeitungsviertel an der Hedemannstraße 24 zwischen Wilhelm- und Friedrichstraße. Den dafür erfolgten Umbau leitete der Berliner Architekt Fritz Glantz (1894–1968). Der Verlagssitz hieß fortan selbst­bewußt Reckendorfhaus, wurde mit entsprechender Leuchtreklame ausgestattet und 1930 in einer von Fritz Adolphy gestalteten Werbebroschüre vorgestellt. Im Erdgeschoss befand sich ein Buchladen für die eigenen Verlagsprodukte, im vierten Stock des Gebäudes richtete der Deutsche Werkbund seine Geschäftsstelle und die Redaktion seiner Zeitschrift Die Form ein. Weitere Räumlichkeiten standen den Radiobastlern mit Demonstrationsgeräten für störungsfreien Empfang sowie für Kunstausstellungen zur Verfügung.

Kunstblatt-Ausstellungen
Im Reckendorfhaus konnten in Kooperation mit Westheim auch Kunstausstellungen gezeigt werden, die Reckendorf finanzierte. Dafür stand eine von dem Architekten Ludwig Hilberseimer eingerichtete Galerie zur Verfügung. Hochrangig besetzte Präsentationen etablierter Künstler der deutschen Moderne wechselten dabei mit Ausstellungen „Junger Künstler“, aus denen der Verlag jeweils ein Werk erwarb und der Nationalgalerie Berlin stiftete. Bei der thematischen Schau Gezeichnet oder Geknipst wurden im Frühjahr 1930 grafische und foto­grafische Por­träts derselben Person einander ge­gen­über­ge­stellt. Der Verleger Hermann Recken­dorf war dabei selbst durch eine Porträtzeichnung von Ludwig Meidner und eine Porträtaufnahme von Helmar Lerski ver­treten (vgl. Das Kunstblatt, Jg. 14, 1930, H. 2, vor S. 33 und S. 35). Im Spätherbst 1930 folgte eine didaktisch auf die moderne Kunstpädagogik ausgerichtete Ausstellung mit dem Titel Kinder wollen spielen. Das Ausstellungsprogramm unterstrich Reckendorfs Einsatz für die Moderne und sein kulturelles Engagement. Zu Letzterem gehört auch seine Veröffentlichung der zweibändigen Memoiren Mein Leben (1930) von Wilhelm von Bode, des langjährigen und legendären Generaldirektors der Berliner Staatlichen Museen. Zu Weihnachten 1931 wurden beide Bände sogar preisreduziert abgegeben – „mit Rücksicht auf die Notlage gerade der geistig tätigen Schichten und angesichts der hohen Bedeutung dieses Memoirenwerks für alle Gebildeten“.

Fritz Adolphy
Hausgrafiker des Verlags Hermann Reckendorf war der in Bielefeld geborene Fritz Adolphy (1884–1954). Nach einer Lehre im väterlichen Betrieb als Dekorationsmaler hatte er ab 1902 an der Kunstgewerbeschule Düsseldorf bei Fritz Helmuth Ehmcke studiert. Anschließend wurde er Assistent des auch ge­brauchs­grafisch tätigen Architekten Peter Behrens, dem er nach Berlin folgte. Dort arbeitete Adophy ab 1908 einige Zeit für Bruno Paul und schuf Plakate für dessen Typenmöbel bei den Vereinigten Werkstätten. Als frühe Beispiele seiner buchgestalterischen Arbeit sind Titelentwürfe für den Insel Verlag von 1907/08 bekannt. Nach dem Weltkrieg etablierte sich Adolphy als selbständiger Ge­brauchs­grafiker in Berlin. Ab 1924 gestaltete er dann die meisten Zeitschriftentitel, Bucheinbände und Schutzumschläge, Buchprospekte und -anzei­gen sowie sonstigen Drucksachen des Verlags Hermann Reckendorf – bis zu dessen Ende 1933.  

Nach 1933 wurde Adolphy Mitglied in der Reichskammer der bildenden Künste und betätigte sich bis Kriegsende für verschiedene Verlage als Illustrator geschichtlich-biographischer und populärwissenschaft­­­licher Bücher. Nachdem er 1944 in Berlin-Britz ausgebombt worden war und dabei sein Archiv verloren hatte, zog der Grafiker in seine westfälische Heimat zurück. Von Borgholzhausen aus lieferte er fortan vor allem Illustrationen für landeskundliche Veröffentlichungen sowie technische Zeichnungen für Firmenschriften und Sachbücher. Adolphy starb 1954 in Borgholzhausen.

Buchgestaltung und Typografie
Der gestalterische Anspruch des Verlags, der sich nicht zuletzt mit Reckendorfs Berufserfahrung als Buchdrucker erklärte, wurde durch Publikationen von zwei bedeutenden Buchgestaltern unterstrichen. So erschien hier zum 50. Geburtstag von Fritz Helmuth Ehmcke unter dem Titel Persönliches und Sachliches (1928) eine illustrierte Anthologie von Texten des Typografen. Stärker programmatisch ausge­rich­tet war der Band Mechanisierte Grafik. Schrift, Typo, Foto, Film, Farbe (1930) von Paul Renner, der auch einen wichtigen Abschnitt zur neuen Fotografie enthielt. Das in der von Renner entworfenen Schrifttype Futura gesetzte Buch wurde unter den 50 schönsten Büchern des Jahres 1930 ausgezeichnet. Es erschien in einer Auflage von 3.000 Exemplaren, von denen bis Herbst 1933 allerdings erst weniger als die Hälfte verkauft waren. 

Architektur
Die neuen Tendenzen und Themen der Architektur wurden im Programm des Verlags Hermann Reckendorf weniger durch Bücher, als vielmehr in Beiträgen in den Zeitschriften Die Form und Das Kunstblatt behandelt. Zur damaligen Diskussion um den Wohnungsbau trug aber auch die als Flugschrift der „Form“ deklarierte Broschüre Zum Problem des Wohnungsbaues. Ge­stei­ger­ter Nutzeffekt bei verringertem Aufwand (1930) des Architekten Otto Haesler bei. Im Juli 1930 erschien bei Reckendorf zudem der praktische, von Wilhelm Lotz verfaßte Ratgeber Wie richte ich meine Wohnung ein? (1930, 2. Aufl. 1931), der eine Gesamtauflage von achtzehntausend Exemplaren erreichte. Als infolge der Wirtschaftskrise die Siedlerbewegung an Bedeutung gewann, veröffentlichte der Verlag im Juni 1932 vom gleichen Autor noch eine Anleitung zum Selbstbau von Wohnlaube und Siedlerheim (1932).

Film und Foto
Bereits mit seinem Engagement für den Rundfunk hatte Reckendorf seine Aufgeschlossenheit für die kulturelle Bedeutung der Medien bewiesen. Als der Deutsche Werkbund für den Frühsommer 1929 in Stuttgart die internationale Ausstellung Film und Foto vorbereitete, entschloss sich der Verleger zur Finanzierung und Herausgabe von zwei Begleitpublikationen, die bis heute als Pionierwerke ihrer jeweiligen Gebiete gelten. Während der Band Es kommt der neue Fotograf! (1929) des Grafikers Werner Gräff in einer innovativen Text-Bild-Zuord­nung die Sichtweisen der neuen Fotografie lehrbuchartig vorführte, galt das Pendant Filmgegner von heute – Filmfreunde von morgen (1929) des Experimentalfilmers Hans Richter der Dokumentation internationaler Ausprägungen des modernen Filmschaffens. Beide Bücher wurden vom Verlag intensiv und gemeinsam beworben. Sie waren auch in der Ausstellung Film und Foto erhältlich und ergänzten den eigentlichen Aus­stel­lungs­katalog, in dem der Verlag Hermann Reckendorf wiederum mit Anzeigen vertreten war.  

Lerski und Renger-Patzsch
Anläßlich einer Ausstellung des Fotografen Helmar Lerski in der Staatlichen Kunstbibliothek Berlin erschien im Dezember 1930 bei Reckendorf dessen außergewöhnliches Fotobuch Köpfe des Alltags. Unbekannte Menschen (1931). Anfang 1931 folgte der als Werkbund-Buch titulierte Fotoband Eisen und Stahl (1931) von Albert Renger-Patzsch. Ungeachtet ihrer motivischen und künstlerischen Unterschiedlichkeit wurden beide Titel in der Werkbund-Zeitschrift Die Form als bedeutende Fotopublikationen ihrer Zeit gewürdigt und beworben – und wenig später im Wettbewerb der Schönsten Bücher des Jahres 1931 ausgezeichnet. Während das Buch von Lerski in verschiedenen Ausstattungsvarianten vorliegt, wurde die Restauflage des Buches von Renger-Patzsch später einfacher gebunden.

Fotomontage
Eine Veröffentlichung des Verlags Hermann Reckendorf war schließlich auch die Katalogbroschüre, die zu der von Cesar Domela organisierten Ausstel­­lung Fotomontage (1931) der Staatlichen Kunst­­­bibliothek Berlin herausgebracht wurde. Dort heißt es zuteffend in einer Anzeige zu den Titeln von Renner, Gräff, Richter, Lerski und Renger-Patzsch: „Die Fotobücher des Verlages Hermann Reckendorf vereinigen das reife Werk der Meisterfotografen unserer Zeit mit den programmatischen Arbeiten der Vorkämpfer für eine neue Entwicklung. In diesen Publikationen besitzen Sie die bleibenden Dokumente des Neuen Sehens.“

Hermann Reckendorf 50
Unter den 1930 von der Deutschen Bücherei in Leipzig ausgezeichneten 50 schönsten Büchern befand sich auch Das Reckendorfbuch, das zum 50. Geburtstag von Hermann Reckendorf am 4. März 1930 erschienen war. Es enthält Texte und Grafiken von Freunden, Weggefährten und Mitarbeitern des Verlegers aus allen Bereichen seines Wirkens, vom Rundfunk über die Kunst bis hin zum Deutschen Werkbund. Die künstlerischen Beiträge stammen unter anderem von Carl Hofer, George Grosz und Oskar Kokoschka. Der in Reckendorfs Werbedienst-Druckerei in nur 50 nummerierten Exemplaren aufwendig hergestellte Privatdruck trägt keinen Verlagshinweis, weil er nicht in den Buchhandel gelangte.
Wohl ebenfalls aus Anlaß seines runden Geburtstages ernannte die Technische Hoch­schule Stuttgart den Verleger am 1. Mai 1930 zum Dr.-Ing. ehrenhalber, da er sich „durch die Herausgabe der Zeitschrift Die Form und eine Reihe bemerkenswerter Buchveröffentlichungen bleibende Verdienste um die moderne Architektur erworben“ habe. Von sozialer Anerkennung zeugte schließlich auch die Aufnahme des Verlegers in das Reichshandbuch der Deutschen Gesellschaft (1931). In seiner Selbstdarstellung führte er dort nicht ohne Stolz aus, sein erst 1918 gegründetes Unternehmen habe sich „in verhältnismäßig kurzer Zeit zu einer der führenden Verlagsanstalten in Deutschland entwickelt. (...) Der Verlag ist bekannt, insbesondere wegen seiner ständigen Ausstellungen zur Förderung der jungen Kunst und künstlerischer Bestrebungen. (...) Er beschäftigt etwa 100 Angestellte“.

Der Staat seid Ihr
Wie viele Einrichtungen und Errungenschaften der zwanziger Jahre hatte auch der Verlag Hermann Reckendorf zu diesem Zeitpunkt den Höhepunkt seiner Entfaltung jedoch schon überschritten. Die folgenden Jahre wurden bestimmt durch wirtschaftliche und politische Bedrängnis. Daß Reckendorf dabei nicht nur kulturelle, sondern auch staatspolitische Verantwortung für die Weimarer Republik bewies, wird an seiner finanziellen Förderung der von Ernst Jäckh (1875–1959) gegründeten und geleiteten Hochschule für Politik in Berlin deutlich. Als diese private Institution, an der auch Theodor Heuss lehrte, ihr zehnjähriges Jubiläum feierte, verlegte Reckendorf deren Rechenschaftsbericht in zwei Fassungen unter dem Titel Politik als Wissenschaft (1930). Vor allem aber startete er im März 1931 das wesentlich von Jäckh initiierte, überparteiliche Wochenblatt Der Staat seid Ihr. Zeitschrift für deutsche Politik (1931). Es handelte sich dabei um den Ver­such, eine breite bürgerliche Mitte im demokratischen Konsens zu vereinen und der zuneh­menden Ideologisierung der politischen Auseinandersetzung mit rationaler Argumentation zu begegnen. Leitlinien des Blattes waren – bei aller Plu­ralität der veröffentlichen Meinungen – das Bekennt­nis zur Weimarer Republik, das Bemühen um Internationalität sowie die Ablehnung des Nationalsozialismus und seiner Repräsentanten, wovon nicht zuletzt eine Satire über die literarischen Ambitionen von Joseph Goebbels zeugte. Bereits nach 23 Nummern mußte das Blatt im August 1931 sein Erscheinen einstellen.

Verlagsprogramm 1931
Im Frühsommer 1931 veröffentlichte der Verlag Hermann Reckendorf eine Broschüre, die das Programm und die Leitlinie des Verlags detailliert und ausführlich vorstellte: „So verschieden die Werke dem Thema nach erscheinen, so haben sie doch das gemeinsame Ziel, die inneren Kräfte der Gegenwart verständlich zu machen. Hierin kommt die Verbindung des Verlages mit dem Deutschen Werkbund zum Ausdruck. Auch in der drucktechnischen Ge­staltung unserer Veröffentlichungen versuchen wir neue Wege zu gehen.“

RV-Bücher
In der sich verschärfenden Wirtschaftskrise waren teure Fachbücher kaum noch verkäuflich. Als Reaktion darauf und auf entsprechend preiswerte Buchangebote anderer Verlage führte der Verlag Hermann Reckendorf daher im Juli 1931 die belletristische Taschenbuchreiche RV-Bücher ein, in der zweimonatlich ebenso unterhaltende wie kultivierte neusachliche Romane zum Einheitspreis von RM 1 erscheinen sollten. Teils waren die Texte zuvor schon als Fortsetzungsromane in der Rundfunkzeitschrift Die Sendung abgedruckt worden. Außerhalb der Reihe brachte der Verlag Ende 1931 mit großem Werbeaufwand noch den utopischen Roman Druso oder: Die gestohlene Menschenwelt (1931) von Friedrich Freksa heraus.

Preissenkung
Spiegelbild der verschlechterten wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland war auch die aufgrund der Notverordnung Ende 1931 vom Verlag Hermann Reckendorf durchgeführte Preissenkung seiner Buchtitel, die zur „Angleichung an die Kaufkraft“ seiner Kundschaft noch über die geforderten 10 Prozent hinaus erfolgte. Bei rückläufigem Geschäft wurde nun immer deutlicher, dass sich Reckendorf mit der raschen Expansion seines Unternehmens und seinen mäzenatischen Engagements finanziell übernommen hatte. Erschwerend kam hinzu, dass er sich zuletzt auch noch als Financier und Sanierer des notleidenden Kurfürstendamm-Theaters versucht und damit überfordert hatte.

Verlag Hermann Reckendorf 1931/32
Der Schriftsteller, Sachbuchautor und Ingenieur Hans Dominik (1872–1945) berichtete in seinen 1942 erschienenen Lebenserinnerungen anschaulich über die Entwicklung des Verlags Hermann Reckendorf in den Jahren 1931 und 1932:

„Der Reckendorf-Verlag, der unter anderem die Funkzeitschrift ‚Die Sendung‘ herausgab, trat [1931] an mich heran, um mich für die Schriftleitung zu gewinnen. […] und so entschloß ich mich, die Gelegenheit, die sich mir hier so unerwartet bot, zu nutzen. Die Bedingungen, die der Verlag mir bot, waren glänzend. […] in dem Inhaber des Verlages, Dr. Reckendorf, lernte ich einen hochgebildeten, im Umgang überaus konzilianten Herrn kennen und fand in der Redaktion angenehme Kollegen […]. ‚Die Sendung‘ hatte eine Auflage von mehr als einer halben Million; der Verlag schwamm im Gelde und verwandte es unter anderem auch zur Unterhaltung eines großzügig ausgestatteten Laboratoriums, in welchem ich Gelegenheit fand, alle Neuerungen auf auf funktechnischem Gebiet praktisch kennenzulernen und zum Teil selbst auszuprobieren. So waren es zunächst recht glückliche Monate, die ich hier verleben konnte, doch leider sollte es auf Dauer nicht so bleiben
            Im Jahre 1931 erlebten wir ja schon einen latenten Bürgerkrieg, und in der Hedemannstraße konnte man das besonders deutlich beobachten. […] In dieser Zeit der politischen Hochspannung vertrat Dr. Reckendorf die Sache der Regierungsparteien. Er gründete eine Wochenschrift mit dem Titel ‚Der Staat seid Ihr‘, die große Summen verschlag. Von Natur aus Optimist, gab er sich der Hoffnung hin, daß diese neue Wochenschrift ein ebenso lukratives Objekt werden würde wie die ‚Sendung‘, scheute keine Kosten für das Unternehmen und forcierte noch seinen Kunstverlag, der sich schon seit Jahren als ein fressendes Übel erwies. Diese Unternehmungen zehrten die flüssigen Mittel des Verlages nur allzu schnell auf. Die neue Wochenschrift kam über eine bescheidene Auflage nicht hinaus, und schon im Herbst 1931 begann die politische Entwicklung auch der Verbreitung der ‚Sendung‘, besonders auf dem Lande, stark Abbruch zu tun. Die Abonnentenzahl sank in kurzer Zeit auf die Hälfte. Aus einem recht wohlhabenden Verlag war überraschend schnell ein notleidender geworden. Die Gehälter wurden herabgesetzt, überall mußte gespart werden, aber das Unheil ließ sich nicht mehr aufhalten. Es ging mit dem Verlag sichtlich bergab, und für mich wurde es wieder einmal Zeit, meine Stellung zu verändern. […] So haben wir denn den Vertrag im beiderseitigen Einverständnis schon zum 1. Februar 1932 gelöst, und ich konnte mich wieder meiner alten Tätigkeit als freier Romanschriftsteller widmen.“

Dominik, Hans: Vom Schraubstock zum Schreibtisch. Lebenserinnerungen. Berlin: Verlag Scherl 1942, S. 267–269.

Berlin hört und sieht
Dennoch startete Reckendorf Ende Oktober 1932 als seine letzte verlegerische Tat unter dem Titel Berlin hört und sieht in hoher Auflage die erste moderne Programmillustrierte in Deutschland, in der wöchentlich über das Angebot an Rundfunk, Theater, Musik, Kino, Kunst und Sport der Reichshauptstadt informiert wurde. Zu diesem Zeitpunkt waren neben die wirtschaftlichen Probleme aber auch bereits politische Pressionen gegen sein Unternehmen getreten, das von nationalsozialistischer Seite nun als „jüdisch“ attackiert wurde. Eine nicht unwesentliche Rolle spielte dabei, dass seit dem Sommer 1930 in der Hedemannstraße 10, also in unmittelbarer Nachbarschaft zum Reckendorfhaus, die Gauleitung Berlin der NSDAP ansässig war. Die Angriffe gegen den „Juden“ Reckendorf waren der willkommene Vorwand, gegen einen Repräsentanten und Förderer von Kunst und Kultur der Weimarer Republik vorzugehen.

Antisemitischer Druck
Da die Zeitschriftentitel, die Reckendorf verlegte, formell den sie herausgebenden Vereinen gehörten, betrafen ihn deren zunehmend politisch bestimmten Richtungskämpfe auch als Unternehmer. Dies galt besonders für den Deutschen Werkbund, der schon zuvor an innerer Einigkeit verloren hatte. Nicht zuletzt aufgrund des antisemitischen Drucks auf Reckendorf ging die ihrerseits wirtschaftlich geschwächte Vereinigung auf Distanz zu ihrem langjährigen Verlagspartner und räumte im April 1932 ihre Geschäftsstelle im Reckendorfhaus. Im November 1932 versuchte Reckendorf, die Werkbund-Zeitschrift Die Form im beiderseitigen Interesse vom Werkbund zu lösen und fortan unabhängig herauszubringen. Stattdessen erfolgte Ende 1932 jedoch der Wechsel von Die Form zum Verlag W. & S. Löwenthal. Reckendorf sah sich zu einer beschönigenden Begründung für diesen Vorgang genötigt: „Der Wirkungskreis unseres Verlages ist in ständig steigendem Maße durch die Herausgabe großer Publikumszeitschriften bestimmt worden. Darum haben wir uns im Interesse der Weiterentwicklung der Zeitschrift Die Form entschlossen, diese einem bewährten Fachzeitschriftenverlag zu übertragen.“ Diese Aktion war ohnehin nur ein Zwischenschritt, denn am 1. April 1933 wurde der seit 1866 bestehende W. & S. Loewenthal Verlag samt seiner Druckerei als jüdisches Unternehmen vom Verlag Wendt & Matthes, Berlin, übernommen, also „arisiert“.
Gleichzeitig entglitten dem wirtschaftlich geschwächten und politisch bedrängten Verleger Hermann Reckendorf auch seine anderen Zeitschriften. So konnte das Kunstblatt ab Januar 1932 nur noch als mehrseitige Beilage der Werkbund-Zeitschrift Die Form fortgeführt werden, mit der es im Januar 1933 ebenfalls zum W. & S. Loewenthal Verlag wechselte, bevor es dort mit der März-Ausgabe endete. Während Reckendorf seine Rundfunkzeitschrift Deutsche Welle Ende 1932 einstellen mußte, wurde Die Sendung 1933 noch einer gleichnamigen Verlagsgesellschaft übertragen, deren Geschäfte zunächst ein ehemaliger leitender Mitarbeiter führte, bevor auch sie 1935 in andere Hände wechselte. Die Zeitschrift Fernsehen und Tonfilm wurde von der Weidmannschen Buchhandlung, Berlin, übernommen und ab Februar 1933 als Beilage in deren Funktechnische Monatshefte integriert. Zu Beginn des Jahres 1933, also noch vor der eigentlichen Machtübernahme durch die Nationalsozialisten, stand der Verleger Hermann Reckendorf somit weitgehend ohne Partner und Produkte da. Lediglich die Programmillustrierte Berlin hört und sieht war ihm vorerst noch geblieben, während sein Lagerbestand an Büchern nun kaum noch verkäuflich war. Bei Reckendorfs Werbedienst-Druckerei dürfte Auftragsmangel schon zu Beginn der dreißiger Jahre zur Geschäftsaufgabe geführt haben.

„Nichtarische Firma
Sein letztes Produkt Berlin hört und sieht verlor Reckendorf unter nationalsozialistischem Druck im Juni 1933, als Hugenbergs Verlagshaus Scherl, in dessen Rotationsdruckerei das Blatt zuvor schon hergestellt worden war, die lukrative Programmillustrierte übernahm.
Bei der Funkausstellung Berlin 1933, die im August stattfand, war der Verlag Hermann Reckendorf nach vielen Jahren erstmals nicht mehr beteiligt. Als Aussteller trat hier nur noch Die Sendung G.m.b.H. auf. Der Katalog enthält bereits eine Anzeige für Berlin hört und sieht des Scherl Verlags.
Als entscheiden­de Quelle zur weiteren Geschichte des Verlags Hermann Reckendorf erweist sich die erhaltene Handelsregisterakte dieser Gesellschaft. Reckendorf war nunmehr aller Möglichkeiten einer weiteren Geschäftstätigkeit beraubt, gleichwohl bestand seine Firma formell noch fort. Sie blieb zunächst sogar im angestammten Bürogebäude ansässig, allerdings in stark reduzierten Räumlichkeiten. Eine vollständige „Arisierung“ erfolgte wohl nur deshalb nicht, weil es keine werthaltige Substanz mehr gab. Der Verleger sah sich dauafhin genötigt, sein Unternehmen selbst abzuwickeln. Im Vorgriff auf eine entsprechende Aufforderung des nationalsozialistisch gleichgeschalteten Bundes Reichsdeutscher Buchhändler, der den Börsenverein ersetzt hatte, wurde schließlich jedoch Ende 1935 auf einer Gesellschafterversammlung die Auflösung beschlossen und der Verleger als sein eigener Liquidator bestellt. Die infolge der nationalsozialistischen Machtübernahme eingetretenen Veränderungen waren inzwischen auch am ehemaligen Reckendorfhaus an der Hedemannstraße 24 ablesbar. Offenbar hatte hier eine Enteignung jüdischen Besitzes stattgefunden, denn ab 1935 nennt das Berliner Adreßbuch eine Treuhandfirma als Eigentümerin. Ab 1936 trat als neuer Hauptmieter „Der Reichsführer S.S., Rasse- und Siedlungs-Hauptamt“ auf, der ab 1937 alleiniger Nutzer wurde. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude zerstört (die baugleiche Fassade auf der Südseite der Straße ist erhalten).
Der in Liquidation befindliche Verlag Hermann Reckendorf war bereits 1935 in ein kleines Büro an der Friedrichstraße 9 umgezogen. Privat wohnte Reckendorf damals mit seiner Frau in der Wuthenowstraße 8a in Steglitz. Am 23. Dezember 1936 starb der Verleger im Alter von erst 56 Jahren. Die genauen Todesumstände sind nicht bekannt, doch ist angesichts des Lebensalters, des Verlustes seines Lebenswerks und der Perspektiven für einen offenbar nicht emigrationsbereiten Juden in Deutschland ein Freitod nicht auszuschließen, zumal von Paul Westheim eine entsprechende Äußerung über­liefert ist.
Als Haupterbin wurde Reckendorfs Frau Charlotte am 9. März 1937 zur Liquidatorin der Verlagsfirma bestellt. Nachdem ein noch schwebender Grundstücksverkauf abgewickelt war, meldete sie dem Handelsregister am 12. April 1938, dass die Liquidation nun beendet sei. Am 22. April 1938 vermerkte das Amtsgericht daraufhin: „Die Firma ist erloschen“. Zwan­zig Jahre nach seiner Gründung und fünf Jahre nach seiner faktischen Einstellung endete damit die Existenz des Verlags Hermann Reckendorf auch formell.
Aufgrund der geschilderten Umstände hat sich ein reguläres Verlagsarchiv nicht erhalten. Das Redaktionsarchiv an Fotos der Zeitschrift Die Form hatte Reckendorf bereits 1932 an die Kunstbibliothek Berlin übergeben.

Literatur

Jaeger, Roland: Verlag Hermann Reckendorf G.m.b.H., Berlin. In: Ders: Neue Werkkunst. Architektenmonographien der zwanziger Jahre. Mit einer Basis-Bibliographie deutschsprachiger Architekturpublikationen 1918–1933. Berlin: Gebr. Mann 1998, S. 130–131.

Holstein, Jürgen (Hrsg.): Blickfang. Bucheinbände und Schutzumschläge Berliner Verlage 1919–1933. Berlin: Holstein 2005, S. 278–280. – Ders.: Buchumschläge in der Weimarer Republik / The Book Cover in the Weimar Republic. Köln: Taschen 2015, S. 175−177.

Jaeger, Roland: Werbedienst für den Deutschen Werkbund: Der Verlag Hermann Reckendorf, Berlin. In: Aus dem Antiquariat NF 5, 2007, Nr. 1, S. 3−22.

Nerdinger, Winfried (Hrsg.): 100 Jahre Deutscher Werkbund 1907−2007. München/Berlin/London/New York 2007, S. 139−140 (Kuntzsch, Brigitte: "Die Form" − Zeitschrift für gestaltende Arbeit), 160 (Bücher der Form) und 161−163 (Die Form).

Kühn, Christine: Die Zwanziger Jahre. Architekturfotografie aus dem Verlag Hermann Reckendorf. In: Derenthal, Ludger / Kühn, Christine (Hrsg.): Ein neuer Blick. Architekturfotografie aus den Staatlichen Museen zu Berlin. Tübingen/Berlin: Ernst Wasmuth Verlag 2010, S. 57−60.

Jaeger, Roland: Bleibende Dokumente des Neuen Sehens. Der Verlag Hermann Reckendorf, Berlin. In: Heiting, Manfred / Jaeger, Roland (Hrsg.): Autopsie. Deutschsprachige Fotobücher 1918 bis 1945. Band 1. Göttingen: Steidl 2012, S. 248–267.

Stetler, Pepper: À la recherche du prototype. Le rôle de la photographie dans le Werkbund allemand. In: Transbordeur. Photographie histoire société, no. 5, 2021, S. 86−99 [über den seit 1932 in der Kunstbibliothek Berlin befindlichen Bestand an Objekt- und Architekturfotografie aus dem Archiv des Verlags Hermann Reckendorf].

online

Bibliographie der Publikationen des Verlags Hermann Reckendorf: https://www.rolandjaeger.online/themen-subjects/verlag-reckendorf-bibliographie-bibliography/

Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel (1834–1945):
www.boersenblatt-digital.de

Die Form. Zeitschrift für gestaltende Arbeit (1922, 1925/26–1935):
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/form

Das Kunstblatt. Monatsschrift für künstlerische Entwicklung in Malerei, Skulptur, Architektur und Kunsthandwerk (1917–1933):
https://magazines.iaddb.org/periodicals/DKB

Berlinische Galerie / Kunstarchiv Werner J. Schweiger (unter "Suche" mit Suchwort „Reckendorf“):
https://sammlung-online.berlinischegalerie.de

Wikipedia (Suchwort: „Verlag Hermann Reckendorf“):
https://de.wikipedia.org/wiki/Verlag_Hermann_Reckendorf